Journalismus und Social Media: Presse- und Rundfunkportale stehen für Qualität

Eigentlich haben wir es alle schon gewusst: Die Presse- und Rundfunkportale setzen im Internet trotz Bloggern und Bürgerjournalismus journalistische Maßstäbe. Sie werden als Gatekeeper und Agendasetter wahrgenommen und erfüllen Nutzererwartungen am besten. Demgegenüber schätzen User Social Media eher als journalismusfern ein. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie “Journalismus im Internet aus Nutzersicht”.

Ist Social-Media-Redakteur überhaupt eine journalistische Tätigkeit? Und wie werden Tweets wahrgenommen? Darauf gibt die Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Neuberger an der Ludwig-Maximilians-Universität München zumindest teilweise Antworten. Im Zentrum der Studie  stand die Frage, ob sich das Verständnis von Journalismus bei Produzenten und Publikum decken. Was versteht das Publikum unter Journalismus? Trennt es überhaupt zwischen professionellen Inhalten und Bürgerjournalismus, Bloggern, Unterhaltung, Werbung und Public Relations? Für alle Content-Produzenten eine interessante Frage, zumal Blogs nicht nur von Laien, sondern auch von Unternehmen, Parteien und Journalisten betrieben werden. Die Studie zielt also auch auf die Medienkompetenz des Nutzers ab.

Per Onlinebefragung wurden rund 1.100 Internetnutzer zu folgenden Themen befragt:

  • Wie nutzt das Publikum Internet-Angebote?
  • Wie schätzen die Befragten ihre eigene Urteilsfähigkeit über den Journalismus ein?
  • Welche Merkmale verbinden Nutzer mit dem Journalismus?
  • Welche Identität und Qualität besitzen konkrete Internetangebote und -formate?
  • Wie verhalten sich professioneller Journalismus, Social Media und Suchmaschinen zueinander? Konkurrieren oder ergänzen sie sich?

Das Ergebnis
Die meisten Befragten suchen mehrmals täglich vor allem soziale Netzwerke, Nachrichten-Suchmaschinen und Portale mit Nachrichten auf. Bei der Auswahl waren journalistische Standards wie Glaubwürdigkeit, Themenkompetenz, Sachlichkeit und Unabhängigkeit für die meisten Internetnutzer besonders wichtig. Persönliche Meinungen und Diskussionen stuften die Studienteilnehmer als weniger wichtig ein, also genau genommen typische Merkmale des Web 2.0 und der sozialen Netzwerke.

Besonders interessant: Zwei Drittel der Befragten bekräftigen, dass auch im Internet professionelle Journalisten unersetzlich sind. Von einem Bedeutungsverlust oder gar Untergang professioneller Berichterstattung kann also nicht die Rede sein.

Das Fazit – mein Fazit
Hochwertige, von Journalisten recherchierte und erstellte Inhalte, sind nach wie vor unabdingbar. Allerdings wandelt sich das Berufsbild immer mehr. Soziale Netzwerke sind Kanäle, in denen auch die Redaktionen von Tageszeitungen und Fernsehsendern aktiv sein müssen. Allerdings geht es nicht nur darum, Beiträge dort auszupielen, sondern Social Media als Quelle für die Berichterstattung zu nutzen. Noch zu selten suchen Redaktionen den Dialog zu den Lesern, was natürlich auch zu knappen Ressourcen geschuldet ist. Insbesondere öffentlich-rechtliche Sender sollten aufpassen, nicht den Anschluss zu verpassen. Kommunikation im Social Web ist Service am Zuschauer, Hörer oder Leser – und trägt nicht unerheblich dazu bei, seine Zielgruppe zu binden.

Weiterführende Links zum Thema der Studie:
Media-Perspektiven: Studie Journalismus im Internet aus Nutzersicht
Wer will schon gerne Hämorrhoiden? Nick Lüthis Appell an öffentlich-rechtliche Sender, Social Media nicht weiter als Gefahr zu betrachten
Social-Media-Redakteure – ein neues Berufsbild?
Studie 2010 – Journalismus und Social Media
Fachjournalist: Christoph Neuberger zur Studie “Journalismus im Internet aus Nutzersicht”

Weiterführende Beiträge auf diesem Blog:
Heute im Briefkasten: Der Schnee von vorgestern
Studie: Social Media bringt Unternehmen nichts
Facebook macht süchtiger als Drogen

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7 Gedanken zu “Journalismus und Social Media: Presse- und Rundfunkportale stehen für Qualität

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