Lebendiges Deutsch, Bastian Sick oder Anglizismus 2011 gesucht!

Wir posten Neuigkeiten via Twitter, adden so genannte Freunde auf Facebook und sreenshotten auf der Arbeit. Was wären wir nur ohne all‘ diese Anglizismen? Vielleicht kreative Wortschöpfer, die nicht nur einfach Fremdworte eindeutschen, sondern eigene Begriffe kreieren? Wie auch immer, Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch von der Uni Hamburg jedenfalls sucht den Anglizismus 2011. Noch bis zum 11. Februar 2012 können Nutzer im Internet abstimmen.

Und schon sind wir beim nächsten Anglizismus, der in der Internetbranche ganz selbstverständlich über jedermanns Lippen kommt, nämlich bei dem Begriff Voting. Wer an der Abtimmung teilnehmen möchte, kann voten. Einige Begriffe, die per Opt-in angeklickt werden können, stehen zur Auswahl. Für den Anglizismus 2011 stehen unter anderem Begriffe wie Haircut, Euro-Bonds oder Barcamp auf der Liste der Sprachinitiative. Auch das Wort des Jahres 2011, Stresstest, ist mit dabei … Wobei ich, ehrlich gestanden noch nie jemanden „Ich brauche einen Haircut“ habe sagen hören. Wie der kurze Absatz zum Thema zeigt, ist es schwer, ohne Anglizismen auszukommen. Einige gehören mittlerweile zu unserer aller Sprachgebrauch.

Bastian Sick  – Sprachkritiker und Deutschlehrer Nr. 1
„Kennzeichnend für den aktuellen Sprachwandel, den viele mit Sprachverfall gleichsetzen, sind nicht in erster Linie die Anglizismen oder die Kurzsätze der Jugendsprache, sondern eine generelle Entprofessionalisierung überall dort, wo mit Sprache gearbeitet wird“, sagte Bastian Sick, Sprachkritiker und Deutschlehrer Nr. 1, der Allgemeinen Zeitung Mainz im Interview. Er nimmt derzeit das „Discounter-Deutsch“ von Saturn und Mediamarkt auf’s Korn, auch wenn er in der sprachökonomischen Verkürzung von Sätzen nicht per se einen kulturellen Verfall ausmacht.

Im selben Interview erwähnt Sick eine Aktion, die zumindest zum Nachdenken animiert: „Lebendiges Deutsch“ will dazu anregen, englische Begriffe durch neue deutsche Wortschöpfungen zu ersetzen. Ein Blick in das Wortarchiv der Website lohnt. Bad Bank mit Giftbank zu übersetzen hat was, auch chatten mit netzplaudern zu verdeutschen, hat Charme. Ob sich allerdings Denkrunde für Brainstorming, Blinker für Cursor oder Zahlkanal für Pay-TV durchsetzen wird, ist fraglich. Lobenswert, kreativ und mitunter witzig ist die Aktion der Stiftung Deutsche Sprache allemal. Denn sie bewertet nicht nur jährlich gekürte Unwörter wie die Gesellschaft für deutsche Sprache, sondern trägt aktiv zur Sprachentwicklung bei.

Stimmen Sie ab! Anglizismus 2011 gesucht!
Bastian Sick über Discounter-Deutsch und Lieblings-Unwörter
Aktion Lebendiges Deutsch
Zwiebelfisch – Sebastian Sicks Spiegel-Kolumne

7 Gedanken zu „Lebendiges Deutsch, Bastian Sick oder Anglizismus 2011 gesucht!

  1. Und nun steht er fest, der Anglizismus 2011: Er lautet Shitstorm. Begründung: es gebe dafür keine passende deutsche Übersetzung, so die Jury um den Hamburger Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Auf Platz 2 landete der Begriff Stresstest, auf Platz 3 landete „circeln“. Der Begriff stammt aus dem sozialen Netzwerk Google+ und bedeutet, jemanden zu einer Kontaktliste hinzuzufügen. http://www.welt.de/kultur/article13865782/Shitstorm-ist-der-Anglizismus-des-Jahres-2011.html

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  2. Zu diesem ganzen Bullshit oder meinetwegen auch auf Deutsch Scheiß, der von diesen schrecklichen Deutschtümlern betrieben wird, obwohl oder gerade weil sie weder von Deutsch noch von Englisch Ahnung haben, und ganz besonders zu Bastian Sick, der damit auf die schiefe Bahn geraten ist, kann man meinen Kommentar unter dem Titel „Schnellkost für die deutsche Sprache“ auf meiner Website http://www.joergkarau-texte.de finden.

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    • Hallo Herr Karau,

      danke für Ihren Kommentar. Ich hatte bislang nicht den Eindruck, dass die Aktion „Lebendiges Deutsch“ in die Ecke der Deutschtümelei gehört – denn das hieße, die Initiative wäre nationalistisch. Für mich setzen sich dort erst einmal nur Leute kritisch mit unserer Sprache und Sprachverwendung auseinander. Mehr nicht. Bastian Sick kann man mögen oder nicht – die kritiklose Verehrung vieler seiner Leser teile ich auch nicht. Oft habe ich den Eindruck, viele verkappte Deutschlehrer sammeln sich in seinen Fanreihen. Aber Bastian Sick spießt auch viele sprachliche Nachlässigkeiten auf, hinterfragt sprachliche Schablonen und findet Stilblüten. Für mich als Redakteurin ist solch‘ eine Auseinandersetzung mit Sprache wichtig und grundsätzlich nichts Schlechtes.

      Viele Grüße
      Andrea Amerland

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      • Hallo, Frau Ameland,
        wenn Sie meinen Text „Schnellkost für die deutsche Sprache“ und vielleicht noch „Abgewunken“ und „Die Zumutung“ gelesen haben, müßten Sie wissen, daß auch für mich die Auseinandersetzung mit Sprache wichtig und absolut nichts Schlechtes ist. Und in „Schnellkost …“ habe ich dem Verein Deutsche Sprache und Herrn Sick auch ein paar Zugeständnisse gemacht. Der Verein weist aber eindeutig nationalistische Züge auf (amerikanischer Kulturimperialismus und dergleichen Blödsinn). Auf diese Weise ist die deutsche Sprache nicht zu retten.
        Herzliche Grüße
        Jörg Karau

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        • Hallo Herr Karau,

          ich bekenne mich im Sinne der Anklage für schuldig!😉 Ich habe Ihre beiden Texte noch nicht lesen können, versuche das aber nachzuholen. Ich habe mich in meiner Antwort auf den Inhalt Ihres Kommentars bezogen.

          Beste Grüße
          Andrea Amerland

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