Renaturierung Gonsbach – Chance fürs Landschaftschutzgebiet

Der zugefrorene Gonsbach in Mainz, Foto: Andrea Amerland

Der zugefrorene Gonsbach in Mainz, Foto: Andrea Amerland

Dass ein Nebenfluss des Rheins gefriert, ist nicht selbstverständlich: Doch wer den Gonsbach in Mainz kennt, weiß, das Fluss vielleicht ein wenig zu hochgegriffen ist. Der Gonsbach schlängelt sich mit hoher Fließgeschwindigkeit durch ein gerades Betonbett – bis er in einem kleinen Auenwäldchen für wenige Meter wieder in die freie Natur entlassen wird. In Zukunft soll das für weitere Strecken des Bachverlaufs geschehen.

Wer im Landschaftsschutzgebiet zwischen den Stadtteilen Mainz-Gonsenheim und Mainz-Hartenberg spazieren geht, stößt immer wieder auf den Gonsbach. In ein Betonbett gezwängt, fließt er zwischen Schrebergärten, Wohnhäusern und – je nach Jahreszeit – zwischen Rosen- und Rosenkohlfeldern auf einer Gesamtlänge von 5,6 Kilometern dahin, bis er in das Regenrückhaltebecken Lungenberg mündet. Nach einem Beschluss des Stadtrats soll der kleine Bach, der aus dem Zusammenfluss aus Aubach und Königsbornbach in Mainz-Finthen entsteht, wieder renaturiert werden. Geplant ist die Rückführung zwischen eben jenem Regenrückhaltebecken Lungenberg und der Mainzer Straße.

EU-Wasserrahmenrichtlinie muss umgesetzt werden

Der Gonsbach im Betonbett, Foto: Andrea Amerland

Der Gonsbach im Betonbett, Foto: Andrea Amerland

Die Stadt handelt jedoch nicht aus eigenem ökologischen Antrieb, sondern setzt eine EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) um, die neben der Wasserqualität den ökologischen Zustand von Gewässern in Europa verbessern will. Die biologische Vielfalt aus Fischen, Wasserpflanzen, Algen und Kleinorganismen muss wieder stimmen. Auch Gestalt,  Struktur sowie Durchgängigkeit haben wieder Priorität. In den 1960er und 1970er Jahren konnte davon keine Rede sein. Damals wurden immer mehr fließende Gewässer in Betonbetten und Röhren gezwängt und sogar als Abwasser genutzt – aus heutiger Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar.

Ein guter Zustand der Gewässer ist das Ziel

Gonsbach frei fließend. Foto: Andrea Amerland

Gonsbach frei fließend. Foto: Andrea Amerland

Nun verschlingt der Rückkbau dieser künstlichen Gewässerbetten  immense Summen. Denn dummerweise entprechen laut Statistik nur 27 Prozent der rheinland-pfälzischen Gewässer den neuen europaweit vorgegebenen Anforderungen, berichtet die Main-Spitze. Um aus Betonbetten wieder natürliche und naturnahe Gewässer zu machen, will oder muss Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) rund 420 Millionen Euro investieren. Allein 110 Millionen Euro davon investiert die rheinland-pfälzische Umweltministerin in die so genannte „Aktion Blau Plus“. Unter diesem Namen wird die europäische Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt, die das Land verpflichtet, eine gute Qualität der Fließgewässer herzustellen. Als Pilotprojekt für die „Aktion Blau Plus“ soll dem Zeitungsbericht zufolge die Renaturierung eines Flussabschnitts des Flüsschens Quiech in Landau dienen.

Eile ist in jedem Fall geboten. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, bis 2015 einen guten Zustand der Gewässer zu erreichen. Bis zum 22.12.2012 sind für alle EU-Mitgliedsstaaten verpflichtend geeignete Gewässerentwicklungs-Maßnahmen umzusetzen. Aber in Mainz hat die Renaturierung des Gonsbachs bislang nur auf dem Papier begonnen – die Fertigstellung ist bis zum Jahr 2013 anvisiert. Rund 1,2 Millionen Euro verschlingt das Projekt. 90 % der Kosten trägt das Land aus dem Topf der „Aktion Blau Plus“, nur 10 % fließen aus dem Stadtsäckel.

Fakt ist in jedem Fall, dass sich eine Landschaft im Herzen Mainz in den nächsten Jahren verändern wird. Viele Hoffnungen sind an die Maßnahme geknüpft. Manche träumen schon von einer kleinen Auenlandschaft, die das Landschaftschutzgebiet als Nacherholungsgebiet weiter aufwertet, von Fischen, die derzeit Mangelware sind. Die Kleingärtner im Gonsbachtal sehen der Renaturierung allerdings mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Stadt nimmt den Umweltschutz als ein Argument für die Zwangsvollstreckung, die allen ohne Baugenehmigung errichteten Hütten den Gar aus macht. Auch der Abriss wird das Landschaftsbild prägen.

Pressemitteilung Stadt Mainz – Renaturierung des Gonsbachs
Main-Spitze: „Raus aus dem Gewässerbett“
DIE LINKE kritisiert Renaturierung des Gonsbachtals
Mit-Mach-Zeitung-Mainz: Gonsbach wird aus Betonrinne geholt
SGD Süd genehmigt Renaturierung des Gonsbachs zwischen Mainzer Straße und Hochwasserrückhaltebecken Lungenberg

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