So hart wie die Realität: Nele Neuhaus‘ „Böser Wolf“

Cover Nele Neuhaus "Böser Wolf", Foto: Ullstein

Cover Nele Neuhaus „Böser Wolf“

„… und ich merkte, dass die Geschichte, die ich ursprünglich schreiben wollte, nur an der Oberfläche dessen kratzte, was sich wirklich hinter dem Wort ‚Kindesmissbrauch‘ verbirgt“, schreibt Autorin Nele Neuhaus in der Danksagung ihres aktuellen Kriminalromans „Böser Wolf“. Die Aussage bezieht sich auf die Lektüre eines Buches, das das Leben und die Therapie einer Frau mit dissoziativer Identitätsstörung nach jahrelangem sexuellen Missbrauch schildert.

Und tatschächlich hat Nele Neuhaus, die bislang in ihrem fünf Taunus-Krimis rund um die Kriminalbeamten Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein bei der Themenwahl ohnehin nicht zimperlich war, mit „Böser Wolf“ ihren bislang härtesten Fall geschrieben, bei dem es um Kindesmissbrauch im Speziellen und sexuelle Gewalt gegen Frauen im Allgmeinen geht.

Am Anfang von „Böser Wolf“ steht ein grausiger Leichenfund

Am Main bei Eddersheim wird die Leiche einer 16-Jährigen gefunden. „Der untere Teil des Rückens und das Hinterteil des Mädchens waren völlig zerfetzt, weißlich schimmerten die Knochen des Rückgrats, der Rippen und ein Beckenknochen durch das dunklere Muskelgewebe.“ Offenbar wurde das Mädchen misshandelt und ermordet. Nach wochenlangen Ermittlungen führen die Spuren das Hofheimer K 11 unter anderem zur Fernsehmoderatorin Hanna Herzmann, die selbst brutal, bis zur Unkenntlichkeit zusammengeschlagen und vergewaltigt wird.

All das erzählt Nele Neuhaus gewohnt temporeich, spannend und flüssig, so dass man als Leser in den gewohnten Sog gerät. Und doch holte mich beim Lesen des hervorragend geschriebenen Krimis, der zunächst nichts weiter zu sein schien als eine harte, gute erzählte Fiktion, die Realität ein. So sehr ähneln die Vergewaltigung-Details im Roman den Details einer anderen Vergewaltigung. Wie auch beim fiktiven Fall Hanna Herzmann wurde die 23-Jährige Inderin in Neu-Delhi von sechs Männern brutal vergewaltigt, mit einer Stange malträtiert und so schwer verletzt, dass sie schließlich an ihren Verletzungen starb.

Dabei sollen Krimis doch einfach nur unterhalten und eine Flucht aus dem Alltag sein, so zumindest meine ursprüngliche Lektüre-Erwartung. Aber „Böser Wolf“ von Nele Neuhaus ist mindestens so hart wie die Realität …

Andere Blogger-Stimmen zu Nele Neuhaus‘ Roman „Böser Wolf“

Trailer des Ullstein-Verlages zu „Böser Wolf bei YouTube

Weitere Krimi-Rezensionen in diesem Blog:
Bullenliteratur aus Belgien: Pieter Aspes Krimis
Der Fall Collini – Ferdinand von Schirach

3 Gedanken zu „So hart wie die Realität: Nele Neuhaus‘ „Böser Wolf“

  1. Hallo und ein frohes neues Jahr! Die Idee mit „andere Stimmen zu…“ finde ich richtig super! Danke, dass du mich auch mit aufgeführt hast! Die Buchbesprechung hat mir auch gut gefallen – solltest du öfter machen!🙂

    LG

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    • Dir auch alles Gute für 2013! Und herzlichen Dank für das prompte Feedback.🙂 Da ich mir ja vorgenommen habe 2013 mehr zu bloggen, wird es hier vermutlich auch mehr Buchbesprechungen geben – denn lesen tue ich eigentlich unentwegt … LG

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