Warum Social Media keine Nebenbei-Beschäftigung ist

Sätze wie „Das macht dann die Marketing-, die PR-Abteilung oder die Redaktion noch mit“, kann ich einfach nicht mehr hören. Wenn die Reichweite eines Internet-Portals durch Social Media erhöht, Social SEO betrieben oder die Nutzererwartung erfüllt werden soll als Unternehmen oder Medium im Social Web präsent sein zu müssen, reicht solch ein geringer Professionalisierungsgrad beim Thema Social Media heute nicht mehr aus.

Unternehmen, die auf Facebook, Twitter oder Google+ wirklich erfolgreich kommunizieren und Relevanz erlangen möchten, schaffen das nicht über die Einbindung des RSS-Feeds, der automatisch alle Inhalte und Links in den Sozialen Netzwerken ausspielt. Auch die Argumentation, Social Media sei contentgetrieben und damit automatisch Aufgabe der Online-Redaktion greift nicht. Denn ein Redakteur ist nicht automatisch ein guter Kommunikator oder Unternehmensbotschafter.

Faktoren für einen professionellen Social-Media-Auftritt

  1. Verantwortliche, die Social-Media-Kanäle aufbauen und betreuen, sollten selbst in der Welt des Social Webs zuhause sein und die Web-Community und ihre Verhaltensmuster kennen: Einem Shitstorm oder Internet-Tsunami begegnet man mit kühlerem Kopf, wenn man weiß, wie sich sich eine Debatte im Web aufschaukelt.
  2. Aber das eben beschriebene praktische Social-Media-Wissen ist nur die Pflicht, um in den Social Networks nicht völlig baden zu gehen. Zur Kür für Unternehmen gehört es, einen Strategen als Social Media Manager zu finden, der auch in der Lage ist, seine Zielgruppe im Internet richtig anzusprechen und Kampagnen und Aktionen zu planen, die den Dialog fördern und die gewünschte Interaktion auszulösen – etwa, ein neues Produkt zu beurteilen.
  3. Ein hauptverantwortlicher Social Media Manager ist inzwischen ein Muss, damit ein kontinuierliches Monitoring und schnelle Reaktionszeiten möglich sind. Betreuen  Redakteure oder der PR-Manager die Kanäle nur nebenbei, können drohende Kommunikationskrisen nicht rechtzeitig erkannt werden, um noch gegenzusteuern. Aber gerade im Social Web entlädt sich der Zorn unzufriedener Kunden besonders schnell und wütende Kommentare sind leicht abgegeben, da dafür die Hemmschwelle ohne ein direktes Gegenüber besonders gering ist. Unter Umständen ist so die Online-Reputation dauerhaft verspielt.
  4. Social Media erfordert in der Unternehmenskommunikation interdisziplinäre Zusammenarbeit. Marketing und Pressestellen, Kundenservice und Personalabteilung, Geschäftsführung und Public-Affairs-Manager müssen sich eng abstimmen. Das funktioniert nur, wenn jemand hauptverantwortlich die Zügel in der Hand hält.
  5. Wie soll sich der viel diskutierte Return of Investment (ROI) durch Social Media überhaupt einstellen können, wenn Unternehmen dabei kaum in Ressourcen und Budget investieren? Die unternehmerische Min-Max-Rechnung geht hier nicht auf. Social Media als Nebenbei-Beschäftigung ist allenfalls gut gemeint, aber in der Regel nicht gut gemacht. Es belastet die Ressourcen von Redakteuren und PR-Managern nur, wenn sie auch noch mit halber Kraft im Social Web aktiv sein müssen. Aber dieses halbherzige, zumeist von oben verordnete Engagement bringt wenig. Social Media ist dann vor allem eines: ein Zeiträuber ohne Mehrwert.

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8 Gedanken zu „Warum Social Media keine Nebenbei-Beschäftigung ist

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen, nur leider sieht die Realität dennoch oft anders aus, weil den Unternehmen nicht bewusst ist, welchen Mehrwert sie durch professionelles Social Media Marketing generieren können. Es wird häufig Stiefmütterlich behandelt und bekommt deswegen zu wenig Ressourcen…

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    • Vielen Dank für das positive Feedback. Ja, du hast leider recht. Social Media hat vor allem in mittelständischen Unternehmen nicht den Stellenwert, den es haben sollte. Ein anderes Problem: Als PR-Manager oder Redakteur bekommt man laufend neue Aufgaben, die man nicht mehr bewältigen kann. Die Qualität leidet und der Mensch auch. Wer jeden Tag 10 Stunden arbeiten muss, brennt aus.

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    • Ja, das stimmt. Ich habe mich auf ein paar Beispiele beschränkt. Es gibt viele Bereiche, wo Social Media Unternehmen wichtige Erkenntnisse bringen kann – auch beim Innovationsmanagement. Oder in der Internenen Kommunikation für mehr Colloboration mit einem Social Intranet etc. LG

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  2. Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen finden Social Media Kanäle entweder gar keine Beachtung (gibt es tatsächlich auch in 2013 noch!) oder werden – wenn überhaupt – mit zu wenig oder aber den falschen Ressourcen abgedeckt. Damit meine ich konkret, dass ein aus meiner Sicht existenziell wichtiges Thema bei Einzelpersonen oder auch Abteilungen/Teams angesiedelt wird, die bislang überhaupt keinen professionellen Kontakt mit der Materie hatten.

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  3. Danke,du sprichst mir aus dem Herzen – ABER Social Media ist wesentlich mehr, als die von dir beschriebene Zusammenarbeit von Corpotate Communicatin, Marketing und HR. Social Media bietet Mehrwert für fast alle Geschäftsprozesse: R&D, Finance, mit z.B Inhouse-Collaboration, Innovation Circles, Fraud Detection, Crowdcourcing und – funding

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