Was wir von Papst Benedikt lernen können

Papst trifft Papst. Ein historisches Ereignis in Castel Gandolfo, das es Medienberichten zufolge rund 700 Jahre lang nicht gegeben hat. Denn in der Regel harren Päpste von Krankheit, Demenz oder Amtsmüdigkeit gezeichnet auf dem Heiligen Stuhl aus. Bis zum bitteren Ende. Nicht so Papst Benedikt. Im stattlichen Alter von 85 Jahren nahm er seine Tiara und ging in den wohlverdienten Ruhestand. Überlegungen zum Arbeiten bis ins hohe Alter.

Auch ich gehöre zu den Geburtsjahrgängen, die nach den Plänen der Bundesregierung bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten müssen, damit sich das gesetzliche Rentenmodell weiter finanzieren lässt. Wer früher die Füße hoch legen möchte, muss lebenslang 0,3 Prozent Abschlag pro Monat in Kauf nehmen. Das muss sich ein Frührentner erst einmal leisten können. Bereits jetzt kommen viele Ruheständler mit dem Geld vom Staat im Alter nicht aus. Von einer Massenaltersarmut ist die Rede, die rund 800.000 Rentner mit Minijobs zu kompensieren suchen.

Arbeitsbelastung führt zu Burn-out

Doch nicht nur die Lebensarbeitszeit ist deutlich gestiegen, auch die Anforderungen an Arbeitnehmer haben sich drastisch verschärft. Immer mehr Aufgaben und Belastungen, Flexibilität und Jobwechsel fordern ihren Tribut. Die Zahl der Burn-out-Erkrankungen und der daraus resultierenden Krankheitsausfälle hat rasant zugenommen. Zwischen 2004 und 2011 sind die Krankentage wegen psychischer Symptome wie Burn-out oder eben Depression um das 18-fache gestiegen. Das belegen neue Statistiken des BKK-Bundesverbandes.

Arbeiten bis zum bitteren Ende?

Doch was hat all das mit dem emeritierten Papst Benedikt zu tun, der die Bürde seines Amtes nicht bis zum Tod trug, sondern den Hirtenstab noch zu Lebzeiten an einen Nachfolger abgegeben hat? Ganz einfach. Papst Bendedikts Verhalten zeigt, dass man nicht sein ganzes Leben arbeiten kann. Irgendwann ist der Mensch müde und ausgelaugt, die Kräfte schwinden, die Gesundheit verschlechtert sich und auch die psychische Konstitution wird nicht unbedingt besser. Irgendwann brauchen Menschen Müßiggang und Muße, um sich anderen Dingen als der Arbeit widmen zu können: der Familie, einem Hobby, einem aufgeschobenen Studium, dem Reisen oder einem lang verdrängten und aufgeschobenen Traum.

To live life deeply

Niemand hat bislang auf dem Sterbebett beklagt, dass er in seinem Leben zu wenig gearbeitet hat, soll ein kluger Mensch einmal gesagt haben. Und diese Weisheit scheint zu stimmen. Eine Palliativpflegerin, die viele Menschen am Sterbebett bis zum Tod begleitete, hat ein Buch geschrieben, dass beschreibt, was Menschen auf dem Sterbebett bedauern. In der Regel sind es die Versäumnisse, das Bedauern, im Leben nicht die richtigen Weichen gestellt zu haben, nicht über seinen Schatten gesprungen zu sein, seine Träume nicht umgesetzt zu haben, nicht genügend gelebt und geliebt zu haben.

Jeder sollte daher das Recht haben, sich irgendwann einmal in sein persönliches Palais zurückziehen zu dürfen, ob das nun in Castel Gandolfo, Castrop-Rauxel oder Wanne-Eickel steht. Senioren sollten nicht mehr arbeiten müssen, aber dürfen, wenn sie es wünschen. Das sollten Politiker bedenken, wenn sie darüber diskutieren, dass Rententeintrittsalter noch weiter zu erhöhen, Renten weiter zu kürzen oder Senioren zu ehrenamtlichen Kindererziehern und Schulaufgabenbetreuern zu machen, weil der Staat Geld sparen will und muss.

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