Die Nordsee – Unser Meer: 90 Minuten Kurzurlaub im Kino

Leuchtturm Amrum, Foto: Andrea Amerland

Leuchtturm Amrum, Foto: Andrea Amerland

Eine Reise von Ostfriesland, Amrum, Helgoland über Dänemark, Norwegen, Schottland, die Niederlande bis zu den Kreidefelsen in Dover und wieder zurück nach Friesland und Helgoland – das bietet die Naturdoku „Die Nordsee – Unser Meer“, die jetzt im Kino zu sehen ist. Das Besondere: „Tatort“-Kommissar Axel Prahl gibt den Sprecher – ein interessantes Experiment.

Die Bilder und Landschaften sind für Nordseekenner nicht unbedingt neu. Wir sehen Fiede Nissen, der seit 1977 Deutschlands einziger Hallig-Postbote ist, wie er Briefe und Päckchen mit einer Lore zu ihren Empfängern auf den Halligen Langeneß, Oland, Gröde und Habel bringt. Wir sehen Lummen und Basstölpel, die auf der instabilen Langen Anna vor Helgoland in schwindelerregenden Höhen brüten und in die Tiefe stürzen. Und auch der Wattwurm, der Sand frisst, verdaut und in winzig kleinen Häufchen wieder ausscheidet, kommt nicht zu kurz. Wie gesagt – das ist für Nordseekenner nicht neu.

Haben Sie schon sprechende Robben gesehen?

Und doch: Der Film „Die Nordsee – Unser Meer“ zeigt Unterwasseraufnahmen von Kegelrobben, die Laute produzieren, sich dabei ansehen und offenbar etwas tun, was wir als Sprechen bezeichnen würden. Auch Eishaie, die sich im hohen Norden tummeln, konnten hautnah gefilmt werden. All das hat das Team über Helikopter- und Unterwasserkameras eingefangen und mit Zeitraffern, Zeitlupen, Kran- und Schienenfahrten zu einem filmischen Naturschauspiel verfeinert, das den Kinobesuch absolut lohnt.

Axel Prahl als Sprecher: eine Überraschung

Was mich wirklich überrascht hat: Axel Prahl, den wir alle als Kommissar Frank Thiel im Münsteraner „Tatort“ kennen, kommentiert das Naturgeschehen mit der Schnodderigkeit des gebürtigen Schleswig-Holsteiners. Da wird der Schlick zur Pampe und die Landschaft erscheint so bizarr wie in einem Fantasy-Roman. Statt Pathos liefert Prahl mitunter Ironie – eine Zutat, die dem Genre durchaus gut tut – auch wenn ich den hymnisch-sonoren Ton eines Volker Lechtenbrinks als Sprecher durchaus schätzen gelernt habe.

Auch nicht schlecht: „Die Nordsee von oben“

Wenngleich mich die Naturdokumentation „Die Nordsee von oben“ noch ein bisschen mehr umgehauen hat, bietet auch „Die Nordsee – Unser Meer“ so einiges, vor allem rund 90 Minuten Kurzurlaub an der Nordsee. Einzig die jodhaltige Luft und eine ziemlich steife Brise fehlen zur totalen Erholung … Aber die bekomme ich demnächst im Urlaub auf Rügen.

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3 Gedanken zu „Die Nordsee – Unser Meer: 90 Minuten Kurzurlaub im Kino

    • Vielen lieben Dank! Der Leuchtturm auf Amrum ist besonders toll – man hat eine wunderbare Aussicht von dort oben.

      Falls der Film bei dir in der Nähe läuft, hast du Glück – der ist nämlich nicht in so viele Kinos gekommen.

      Schöne Pfingsten!

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  1. Pingback: Wie ich Leuchttürme an Nord- und Ostsee einfing | Text-Know-how

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