Wie der Mythos Titanic im Museum weiterlebt

Schiffswrack der Titanic im Nordatlantischen Ozean, Foto: 2010 RMS Titanic, Inc., a subsidiary of Premier Exhibitions, Inc.

Schiffswrack der Titanic im Nordatlantischen Ozean, Foto: 2010 RMS Titanic, Inc., a subsidiary of Premier Exhibitions, Inc.

Warum übt ein im Jahr 1912 untergangenes Kreuzfahrtschiff, das auf dem Meeresgrund vor sich hinmodert, solch eine Faszination auf uns aus? Bis gestern hatte ich auf diese Frage eher eine vage Antwort. Nach dem Besuch der Ausstellung „Titanic. Echte Funde, wahre Schicksale“ im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ist das Bild für mich klarer.

Auch am 2. Januar 2015 wirkt die Titanic noch wie ein Magnet: So muss, wer die Ausstellung sehen möchte (im Original „Titanic: The Artifact Exhibition“), erst einmal Schlange stehen. Bereits neun Tage nach der Eröffnung (30.12.2014) konnte das Historische Museum der Pfalz in Speyer, das nach Paris, Amsterdam und Brüssel die erste deutsche Station der Schau ist, 10.000 Besucher verzeichnen. Das lässt die Verantwortlichen bereits auf einen Riesenerfolg hoffen. Denn noch bis zum 28. Juni 2015 sind die 250 Originalfundstücke, die in mehreren aufwändigen Expeditionen zwischen 1987 und 2010 aus rund 3.800 Metern Tiefe vom Titanic-Wrack geborgen werden konnten, zu sehen.

Exponate der Titanic-Ausstellung in Speyer

Gezeigt werden Gegenstände des täglichen Gebrauchs, vieles davon aus dem privaten Besitz der Opfer, darunter persönliche Dinge wie Schmuck, Bekleidung, Koffer, Bürsten, Spiegel oder Kosmetiktiegel, aber auch Teile des Schiffs vom Waschbecken bis zum Bord-Geschirr. All das macht aus einem gesunkenen Schiff noch keinen Mythos. Wohl aber die Fortschritts-Euphorie, die den Glauben an die Unsinkbarkeit des Schiffs nährte und in einem Hochmut mündete, der zum Untergang der Titanic und dem Tod von knapp 1.500 Menschen führte.

Zu wenig Rettungsboote, verlegte Ferngläser, Konkurrenzdruck und Gewinnstreben der Reedereien, ein fahrlässiger Kapitän und ein fehlendes Krisenmanagement führten dazu, dass die Titanic am 14. April 1912 südlich der Neufundlandbank im Atlantik auf einen Eisberg lief. Die triumphale erste Fahrt des Vorzeigeschiffs der White-Star-Line war zugleich dessen letzte. Nur 700 der insgesamt 2.300 bis 2.400 Reisenden überlebten. Denn keines der Rettungsboote war voll besetzt.

Das Konzept der Titanic-Ausstellung setzt auf alle Sinne und das Einzelschicksal

Durch Fotos und kurze Lebensbeschreibungen, die erklären, was die einzelnen Passagiere auf die Titanic verschlug, welche Hoffnungen sie hatten und welche Motive sie antrieben, werden aus den abstrakten Opfern des Unglücks Menschen.

Ein weiterer Verdienst der Titanic-Ausstellung ist es, die Atmosphäre auf dem legendären Schiff mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Wir sehen nicht nur, welchen Anzug ein Reisender trug (sensationell, wie gut er erhalten ist und erschreckend, dass der Mann, der ihn einmal trug, ertrunken ist), sondern können auf einem nachgebauten Flur der ersten Klasse lustwandeln. Besucher sehen eine der luxuriösen Einzelkabinen oder die Enge einer Vierbett-Kabine der dritten Klasse. Nur leider fehlt ein Nachbau der imposanten Haupttreppe, die unter einer mächtigen Glaskuppel fünf Decks miteinander verband. Sie ist bedauerlicherweise nur mit einem Foto zu sehen.

Aber es wird erfahrbar, wie es sich im Verandacafé entspannen ließ und wie das Orchester Walzer spielte – auch bis zum bitteren Ende ist die Musik angeblich nicht verstummt. Auch das stampfende und wummernde Dröhnen der Turbinen und Maschinen ist zu hören und zu spüren. Selbst wie eisig kalt sich 0 Grad anfühlen – so die Wassertemperatur des Atlantiks, indem die meisten Passagiere erfroren und nicht ertranken – lässt sich an einem besonderem Exponat erfühlen: einer Eisberg-Installation. Nur Riechen können wir die Titanic nicht … auch wenn kleine Parfumflaschen, ein weiteres Exponat der Schau, noch einen Hauch ihres Inhalts verströmen sollen …

Eckdaten „Titanic – Die Ausstellung. Echte Funde, wahre Schicksale“

Dauer:
21. Dezember 2014 bis 28. Juni 2015

Öffnungszeiten:
täglich 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene: 14,50 €
Ermäßigt:13,50 €
Studenten u. Kinder/Schüler: 6,50 €

Kontakt:
Historisches Museum der Pfalz Speyer
Domplatz, 67346 Speyer

Besucherservice: 06232 62 02 22
Zentrale: 06232 13 25 0
Fax: 06232 62 02 23
E-Mail: info@museum.speyer.de

Was andere zur Titanic-Ausstellung schreiben:

4 Gedanken zu „Wie der Mythos Titanic im Museum weiterlebt

  1. Sehr schöner Artikel. Ich war kurz vor Jahreswechsel mit meinen Kindern in der Ausstellung, die mich allerdings nicht restlos begeistert hat. Sie folgt doch alles in allem dem hergebrachten Narrativ: Konstruktion des Schiffes, Gesellschaftsstruktur, Einzelpersonen (vor allem der Oberschicht), Havarie mit dem Eisberg und das sinkende Schiff, Rettung der Überlebenden, Entdeckung des Wracks. Über all dem haufenweise Gegenstände, aus denen ich mir zugegebenermaßen nicht so viel mache. Vielleicht hätte es auch noch etwas kindgerechter sein können. (Der installierte Eisberg war natürlich nicht schlecht.)

    Hört sich womöglich etwas zu negativ an. Wir hatten trotzdem unseren Spaß, und ich kann die Ausstellung (und vor allem die übrige Dauerausstellung des Museums) durchaus empfehlen.

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    • Danke für dein Feedback. Das Rad hat man nicht neu erfunden. Da gebe ich dir recht. Aber dennoch war die Ausstellung kurzweilig – wir waren ca. 2,5 Stunden im Museum – und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Kinder hat man als Zielgruppe wirklich nicht besonders angesprochen, was verwunderlich ist. Schließlich ist die Schau für Kinder ab sechs Jahre. Für mich überwiegen allerdings die positiven Eindrücke.

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