„Score“ demonstriert die Macht der Musik

John Debny dirigiert seine eigene Filmmusik bei der Aufnahme.

John Debny dirigiert seine eigene Filmmusik bei der Aufnahme. Eine Szene aus „Score – Eine Geschichte der Filmmusik“, Foto: © Epicleff Media/NFP marketing & distribution

Musik geht unmittelbar ins Ohr und wirkt auf unsere Emotionen mitunter wie ein Antidepressivum. Dass auch Filmmusik erheblich dazu beiträgt, einen Streifen zum Erfolg zu machen, ist vielen dennoch nicht bewusst. Der Dokumentarfilm „Score – Eine Geschichte der Filmmusik“ von Matt Schrader räumt mit diesem Unwissen auf. Er zeigt, dass hinter großen Filmen oft ein großer Komponist steht.

Zwei Töne reichen aus, um aus einem ziellos herumschwimmenden Fisch, ein berohliches Monster zu machen, vor dem sich alle Zuschauer im Kinosaal fürchten: Der „Der weiße Hai“ machte Regisseur Steven Spielberg 1975 zwar noch nicht so bekannt, wie er heute ist, aber der Horrorfilm wurde zu einem Erfolg an den Kinokassen. Und das nicht zuletzt durch den Soundtrack von John Williams („Star Wars“, „Indiana Jones“, E.T“), der damit Filmmusik-Geschichte schrieb und seinerzeit einen Oscar für den besten Score, die beste Filmmusik, erhielt.

Die Musik macht den Film

Es ist das Leitmotiv von Matt Schraders Dokumentaion „Score – Eine Geschichte der Fimmusik“ zu zeigen, wie erst der Sound einen Kinofilm zu einem erfolgreichen Gesamtkunstwerk macht. Oder anders fomuliert: Geheimagent James Bond wäre nicht der dynamische Superheld schlechthin, wenn nicht 1962 für Sean Connery in „007 jagt Dr. No“ Monty Normans Theme-Song „Bad Sign, Good Sign“ gefunden, von John Barry neu arrangiert und zur Erkennungsmelodie aller nachfolgenden Bond-Filme geworden wäre.

Besonders nachdrücklich demonstriert Schrader den Zusammenhang von Story und Musik, Bild und Ton am Bespiel der berühmten Dusch-Szene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“. Wie ein Vorher-Nachher-Vergleich mit und ohne Ton deutlich macht, wirkt die blutige Messerstecherei zunächst belanglos. Erst durch die schrille Tonkunst von Dirigent und Komponist Bernard Hermann wird sie Grauen erregend und beklemmend. Denn der Zuschauer nimmt nicht nur durch die Kameraführung die Perspektive des Mörders ein, sondern befindet sich durch die musikalische Untermalung quasi im Kopf des Mörders.

„A track has to give me goosebumps myyself“, sagt der niederländische Komponist Tom Holkenborg, der für „Mad Max: The Fury Road“ den Soundtrack kreierte, an einer ganz anderen Stelle der Doku, und kommentiert damit nicht nur seine Filmmusik, sondern das gesamte Genre. Filmmusik muss tatsächlich für Gänsehaut sorgen.

Trotz Blockbuster-Beispielen ist „Score“ ein Kinoerlebnis

Viele Komponisten und Producer kommen zu Wort. Die Liste der Beteiligten liest sich wie ein Who is Who der Filmmusik. Neben Holkenborg, äußern sich John Debney („Die Passion Christi“), Howard Shore („Herr der Ringe“), Hans Zimmer („Fluch der Karibik“, „Inception“, „König der Löwen“), Rachel Portmann („Emma“), Quiny Jones („Die Farbe Lila“), Moby („Heat“, „James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie“), Danny Elfman („Hellboy, „Wanted“), Thomas Newman („Passengers“, „Betty und ihre Schwestern“, „James Bond 007  – Skyfall“), Heitor Pereira („Minions“) und und und …

Hollywood feiert sich selbst, schwelgt euphorisch in Filmmusik-Erinnerungen und geizt auch nicht mit Superlativen und gegenseitigem Lob. In manchen Resenzionen wurde kritisiert, das dabei die harte soziale Realität, in der Komponisten unter großem Zeitdruck den doch so entscheidenden Musikteppich weben und aufnehmen müssen, nur angedeutet wird und somit zu kurz käme. Aber das ist gar nicht die Intention des Films. Es geht vielmehr darum, die wichtigsten, zugebenermaßen ausschließlich Hollywood-Flimmusikkompositionen, in Vergangenheit und Gegenwart zu zeigen und die Wirkung von Musik auf die menschliche Psyche zu demonstrieren.

Dass sich der preisgekrönte Nachrichtenproduzent (CBS, NBC) und Filmemacher Matt Schrader in seinem erstem Dokumentarfilm auf das amerikanische Blockbuster-Kino konzentriert und Independent-Filme oder gar das europäische Kino ignoriert, wirft tatsächlich Fragen auf.

Dennoch ist „Score“ ein Kinoerlebnis. Die Doku ist nicht durch die vielen O-Ton-Geber und die vielen Tonbeispiele eine euphorische Hymne auf das Genre Filmmusik, sondern wirkt auch auf den Zuschauer euphorisierend wie eine Spritze Dopamin oder Schokolade zum Frühstück. Besser kann man die Macht der Musik eigentlich nicht unter Beweis stellen. Und dewegen sei der Werbe-Tenor für Hollywood verziehen.

Was andere über „Score“ schrieben

NDR.de: Score - Eine Geschichte der Filmmusik
Zeit.de: Hollywood orgelt sich an
FAZ.net: So spielt man „dreckig“, liebes Orchester
Spiegel.de: König der Töne
TAZ.de: Musik ist was anderes als Schokolade
Deutschlandfunk: Querschnitt durch die Filmmusikgeschichte
NOZ: Dokumentation „Score“ über die Wirkung von Filmmusik
Welt.de: Man sieht nur mit den Ohren gut
Deutsche Welle: "Score": Eine Doku über die Kunst der Filmmusik
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